Weiberbraten Berghausen Gedichte und Lieder

Die Frauen von Berghausen

 

Von Martin Greif (1839-1911)

 

Die Frauen von Berghausen sind flinker Hand

und haben dabei auch geweckten Verstand.

Das hat die rettende Tat bewiesen

für die sie noch immer werden gepriesen.

 

Die Kälte war streng, der Winter hart,

das Wasser in Bächen und Brunnen erstarrt!

Sie aber wollten sich`s nicht ersparen,

die tägliche Milch nach Speyer zu fahren.

 

Einst als sie schon rollten nahe dem Tor,

stieg qualmender Rauch vor ihnen empor.

„Es brennt im Gutleuthaus, hin mit den Kübeln,

die Kunden werden`s uns nicht verübeln!“

 

Kaum, dass nur eine den Schrei getan,

so liefen schon alle beladen heran

und gossen die strömende Milch zusammen

um flink zu ersticken die fressenden Flammen.

 

Und wie zu löschen sie dachten den Brand

So führten sie`s aus mit eigener Hand.

Gar bald aus den vollen Kübeln im Bogen

Kam rettend der Strahl zum Giebel geflogen.

 

Die Berghäuser Frauen, sie sterben nicht aus,

drum halten sie fest am jährlichen Schmaus

und zeigen, dass jenen sie nachgeraten,

die einst sich verdienten den Weiberbraten!

Zum Weiberbraten 1869

Vorgetragen von Frieda Beyer im Pfälzer Hof in Berghausen in Anwesenheit der Fürstin und des Fürsten von Thurn und Taxis

 

(1) Der Nordwind tobt durch die Ebene weit

erstarrt sind Quellen und Bäche,

es deckt der Schnee mit dem Winterkleid

das Dörflein in grauer Fläche.

Verhüllt ist der Himmel im düstern Flor

und aus der Ferne ragen empor

des Domes verwetterte Türme.

 

(2) Wer zieht auf der Straße vom Eise glatt

mit raschem Schritt durch die Auen?

Das sind auf dem Wege zur nahen Stadt

Berghausens emsige Frauen.

Sie tragen in Kannen gescheuert und rein

den Städtern nährende Milch hinein

tagtäglich in des morgens Frühe.

 

(3) Und vor den städischen Mauern drauß

hart am geebneten Wege

da liegt das Gutleuthaus

den Kranken zur fürsorglichen Pflege.

Wohl manniger Arme danket darin

der Bürger Treue werkstätigem Sinn

Gesundheit, Heil und Leben.

 

(4) Es ruhen die Wärter am Tor

es eilen die Männer zusammen

es brennt! es brennt! Schon qualmts empor

der Rauch aus züngelten Flammen.

Horch hört der Kranken Wehgeschrei:

schafft Wasser herbei, schafft Wasser herbei

doch ach es versagen die Brunnen.

 

(5) Und sieh wer eilet durchs offene Tor

beseelt von Gottvertrauen?

Sie eilen behend die Treppe empor

ein Haufen mutiger Frauen.

Und jede trägt gewand in der Hand

die blinkende Kanne gefüllt bis zum Rand

mit weißer köstlicher Ware.

 

(6) Durch Qualm und Rauch hinauf zum Dach

seht wie sie geschäftig sich sputen

dort gießen sie einen stömenden Bach

von Milch in die drohenden Gluten.

Aufbraußert der Gicht, es knistert das Holz

und aus dem Kreise der Männer erschallts

habt Dank ! Das Haus ist gerettet.

 

(7) Rasch war die mutige Tat bekannt

den Kranken in ihren Betten

sie dankten Gott, der die Frauen gesandt

vom Tode die Armen gerettet.

Sie dankten den Frauen, tränener Blick

doch diese kehrten ins Dörflein zurück

mit frohem freudigem Herzen.

 

(8) Und wie die Frauen mit mutiger Hand

das Haus gerettet vom Feuer

das kundet man rasch dem hohen Rat

der freien Reichsstadt Speyer.

Der hat die Frauen hoch geehrt

und hielt sie hohen Ruhmes wert

bis in die spätesten Zeiten.

 

(9) Damit die Nachwelt wissen mag

was sich vor Zeiten begeben

so wurd’ ein Fest auf diesen Tag

Berghausens Fraun gegeben.

Sie feiern es seit jener Zeit

in Ehren und mit Fröhlichkeit

im Kreise heitrer Gäste.

Wie wir gekommen zu diesem Fest, wollen wir nochmal schildern jetzt!

Geschrieben von Maria Kreutz

am Weiberbratenfest 1961

 

1706 trug es sich zu,

daß brave Milchfrauen so im Nu

bereit waren für eine gute Tat,

die sich bis heute gelohnet hat.

 

So einfach war´s nicht vor vielen Jahren

Wo unterwegs alle Tage die Frauen waren

Zur Domstadt Speyer am schönen Rhein

Sie trugen die Milch noch in Kübeln hinein!

 

Die Arbeit war hart und sorgenschwer

Besonders im Winter gefährlich sehr.

Und wie sie die Milch so nach Speyer trugen

Mit Sorgfalt und großem Bedacht,

sahen sie Feuer! – aus einigen Luken,

das sie zu großen Heldinnen gemacht!

Das „Gutleuthaus“ brannte! Herrje, oweh! –

Bei dieser Kälte, bei Eis und Schnee,

Es war so frostig und bitterkalt,

die Teiche zugefroren bald.

Sie hatten kein Wasser! – aber Milch und Erbarmen! –

Sie rannten hinzu und halfen den Armen,

welche im Haus waren untergebracht,

und die nicht an ein Unglück gedacht.

 

Sie nahmen den Kampf mit dem Feuer auf,

gossen ihre kostbare Milch darauf,

schlugen mit Stecken und Prügel gar schnell,

die glücklicherweise waren zur Stell!

 

Die Schnelle, der Mut, die Liebe, das Herz

Verhinderten Wunden und bitteren Schmerz!

Was dann noch geschah, was dann noch gewesen,

ist heute noch in den Akten zu lesen.

 

Der Stadtvater von Speyer war so gerührt! –

Hat eiligst, gütigst, die Feder geführt.

Die Frauen, welche in Berghausen wohnen,

für ihre Tat, auch zu belohnen!

 

Alljährlich sollten sie dafür haben,

zum Dank einen schönen „saftigen Braten!“

der von der Stadt Speyer „zu stiften sei,

unbegrenzt!“ – sie waren so frei!

Die guten Frauen sie nahmen es an

Und so haben wir heute noch Freude daran.

Drum feiert weiter mit großem Recht,

der tapferen Ahnen braves Gefecht.

 

Bei Braten und Wein und Musikklang,

es ist ein Fest von erstem Rang!

 

Wenn man`s mit offenen Augen sieht,

ist es nicht herrlich, was da geschieht? –

In unserem Fest, liegt soviel Sinn

Liegt gutes und edles Geschehen drin.

Menschenliebe! – hat er errungen

Durch Menschengüte, ist´s niemals verklungen!

Erworben von unseren lieben Alten,

drum wollen wir´s hoch in Ehren halten!

„De allererscht Bericht von äänere Berchhaiser Millichfraa“

für das 295 Weiberbratenfest im Jahre 2001. 

Verfasst von Karin Ruppert

Vorgetragen beim  Festakt von Ulrike Knoch

 

Heit krigscht e Sunndaasesse, Mann,

kään Manbes, nää, e Stickel Schinke

un Butterriewelcher, mer kann

wann D’ willscht, e Schlickel Bier noch trinke.

 

Millich hawwich kään heit, alles fort!

Uff Speyer hawwich se getrache.

Ich war dann awwer garnet dort,

Wieso? Des will ich Der jetz saache:

 

En ganze Haufe sin mer los:

Die Liss, die Len, die Lott, die Anne

Mit Brinkle, Bitte klää und gross

Uff Kärchle, odder bloss mit Kanne

 

Erscht war’s noch duschber – hinnerm Dum

Sieht mer dann rot die Sunn uffsteiche

Un wie ich ans Gutleithaus kumm

Do seh ich Raach ums Dach rumschleiche.

 

Mer denkt, ‚s is Newwel, weil’s grad daacht

Dann seh’ mer awwer schun die Flamme.

Mer kreischen: „Feier! s’stinkt un raacht!

Gehen her, gehen her, mer helfen zamme!“

 

Nix meh mi’m Markt henn mer im Sinn!

Die Weibsleit allminanner renne.

Ach Gott, die arme Leit do drin

sin g’fange, missen jo verbrenne!

 

Des war’n bestimmt die vum Melac!

Erscht henn se’s Korn un’s Viehzeigs g’stohle

Jetz zindelts noch des Lumbepack!

Ei, det’s doch glei de Deifel hole!

 

Glei vor de Deer en Packe Stroh

In Flamme, dut de Weech versperre.

Kään Brunne noh, Kään Äämer do

Kää langi Stang, fer’s wegzuzerre!

 

Zwää Fraue packen glei ihr Bitt

Hänn ‚s Kärchel uff de Hof gezoche

un, nix wie nei ins Feier g’schitt !

Die Milch spritzt nei im hohe Booche.

 

Es brutzelt laut, un denne G’stank

Vun soviel a’gebrennte Häffe

Werscht Du im Haus mol, Gott sei Dank

Dei ganzes Lewe lang net treffe!

 

Jetz awwer sin die Bitte leer

Mer kann am Brunne Wasser scheppe.

Mer rennen dapper hie un her

Un leschen’s Feier uff de Treppe.

 

Mer wissen net, werd’s uns gelohnt

Dass’s Millichgeld vun heit dut fehle. –

Dass mer demit e Haus verschont

Wird mer noch hunnert Johr verzehle!

JUCHU

Ingrid Simon, Berghause im Auguscht 2005

 

JUCHU – erschallt’s vun weidem schun,

bei Umziech in Stadt un Lond,

ob Rääsche odder strahlendi Sunn,

unser rufe isch bekonnt.

 

JUCHU – ertönt’s aus voller Kehl,

dut monschen gar o’stegge,

un’s isch wohr – bei moiner Seel,

die Kepp sich nooch uns recke.

 

JUCHU – ja wuher kummt donn des?

So werr mer efters g’froocht als,

do määnen oinische gonz kess,

gonz äfach – direkt aus’m Hals.

 

JUCHU – des misst ma erforsche,

hot sicher än guude Grund,

isch du mich deshalb rumhorsche,

zu erfahre – die erscht Stund.

 

JUCHU – 50 Johr kännt’s fascht soi,

wu’s freudisch isch erklunge,

vielleicht nooch äm Schluck Pälzer Woi,

gejauchzt onstatt gesunge.

 

JUCHU – Mehrhof’s Rosa sich fräät,

bei äm Umzuuch wirklich schää,

un fort-o rufen’s frieh un spät,

Weiwerbrode-Fraue – noch mää.

 

JUCHU – zum Markezeiche werd,

mitsomt Walburg’s Pauline.

Zu jedem Fescht immer geheert,

der Ruf un ihr frehlich Miene.

 

JUCHU – werd gerne fortgesetzt,

vun unsere Gertraud Straub.

Un uns all isch’s künfdisch un jetzt,

ä Bedürfnis – mit Verlaub.

 

JUCHU – basst zum gelöschde Brond,

zum Jubiläum – genau.

Hot hoffentlich noch long Bestond,

bei jeder Berghaiser Frau!

Weiberbraten von Berghausen

Dieses Lied wurde den Frauen von Berghausen gewidmet anläßlich des 265-jährigen Weiberbraten-Jubiläums.

Text u. Meldoie: Werner Jester März 1971.  Satz: G.Sattel 1992. Neufassung: Hermann Haaf 12/05

 

      1) Froh unser Herz, heiter der Sinn,

       gedenken wir ruhmvoller Zeiten.

       Stolz unser Blick, ziehen wir dahin,

       Freude und Frohsinn uns leiten!

       Was uns´re Frauen berühmt gemacht,

       ihnen bleibende Ehre gebracht,

       tragen wir weiter!

       Tragen wir weiter!

 

        Refrain: Weiber, Weiberbraten von Berghausen, heldenhafter Frauen Lohn!

        Unserm Dorf und uns zur Ehre lebe fort die Tradition!

        Unserm Dorf und uns zur Ehre lebe fort die Tradition!

 

       2) In jener Zeit, lodernder Brand

       erhellte den Himmel vor Speyer.

       Das Gutleuthaus in Flammen stand

       züngelndes fressendes Feuer!

       Doch uns´re Frauen beherzt, voll Mut,

       löschten eifrig mit Milch diese Glut

       zogen dann weiter!

       Zogen dann weiter!

       Refrain: Weiber......

 

       3) Aus Dankbarkeit  läßt man noch heut´

       die Frauen vom Dorf Berghausen

       für so viel Mut und Entschlossenheit

       jährlich den Braten verschmausen.

       Wir halten hoch jene Ruhmestat,

       bleiben treu zusammen geschart,

       wir feiern weiter!

       Wir feiern weiter!

       Refrain: Weiber......

 

 

Die Berghäuser Fraue

Liedertext wurde 2006 geschrieben von
Liedermacher Alexander Entminger aus Berghausen   www.alex-entzminger.de

Es is 1706 unn‘s is Marktdaach unn es is Januar
hee Määdel zigg Disch jo warm oo die Nacht is kalt unn klar
Im Hof isses glatt bass bloß uff schlach net hii
komm mir fi idern die Sai unn mir melken die Kiih
unn die Milsch vun de Kuh unn de Gääß
stelle mer donn in die Scheeß*


Kumm beeil Disch mir kummen sunscht widder zu schbeed
dass gebabbeld werd des is mer zu bleed
unn so machen se sisch uff
do steh‘n se die Onn‘re – sie sinn om Verzeehle
jetzt miss‘mer uns widder uff Speyer noiquäle
bei so äänere Kält‘– de gonze Daach uffem Markt
do is schunn so monsch ääni verzaacht


Doch plötzlisch uff halwem Weg nooch Speyer
ruuft ääni: Hear, riischt‘s do net noch Feier
unn do kummt aa schunn ä alti Fraa oogerennt
die ruft gonz verzweifelt: S‘ Gutleuthaus*² des brennt
Um Gottes Wille – bitte net des!
Die Fraue packen all schnell ihr Scheeß
sie wissen sie missen jetzt gonz schnell renne
sunscht duun die Kronke unn Alte verbrenne


Doch am Gutleuthaus vor de Spey‘rer Stadttore
is jeder Trobbe Wasser oi‘gfrore
alles vereist Zentimeter dick
die arme Leit – die sinn verlore
Helf mer emol ruft do die erscht
Nemm die Milschkonn, bass uff, dass‘d jo nix verlerscht
Mir brauchen jetzt jedi helfendi Hond,
mir nemmen die Milsch unn mir löschen den Brond
Unn ohne großes hii unn her
werd die gonz Milsch ins Feier geleert –
unn wie e Wunner die Flomme geh‘n aus
unn die Fraue sie ernten vun alle Applaus


Was is – saacht Ääni – soll mer jetzt noch uff Speyer noilaafe
um des was mer hänn – zu verkaafe
ach was saacht ä Onnri – mir brauchen net hoffe
de Markt, der is jetzt sowieso längscht verloffe
Doch als die Fraue dursch‘s Altpörtel marschieren
duud en jeder ihne grat‘liere
selbscht de Borschemeeschter schittelt ihr Händ
unn er red vun äänere großzügische Spend
Ihr Berghaiser Fraue – fer eiern Mut – unn eier Entschlossenheit
griggener en Broode g‘schtift jedes Johr – jetzt unn fer alle Zeit

 

(*Scheeß (v. frz. Chaise): Wagen *²Gutleuthaus: Haus für Arme und Kranke)

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